Fliegenvorfach ist keine Hexerei

Das Fliegenfischen ist vielleicht deshalb so “unnahbar” für den Angler, weil um einige Details ein übertriebenes Brimborium gemacht wird. Aber gerade das Fliegenvorfach ist keine Hexerei.

Ich erinnere noch gut einen Sommer, wo Casting-Kollegen mit einem “Mörderteil” an Vorfach aus Polen auftauchten. Ich habe eins geschnorrt und sofort angebunden – patsch, Scheibe getroffen.
Die erste Sektion bestand aus einem Millimeter dicken Monofil zur Kraftübertragung, es folgte ein 80er Monofil als Verjüngung, und dann kam die 60er Spitze (siehe Foto).  Es ließen sich damit klasse Loops werfen.

Auf unserer heimischen Salmonidenpirsch werden wir ein Vorfach aus dem Castingsport allerdings nie einsetzen. Jede Forelle wäre auf und davon. Doch ich habe eines gelernt: Halte das Vorfach beim Fliegenfischen mit der Trockenfliege möglichst simpel. Vier Abschnitte reichen aus !?
Dabei kommt zur Kraftübertragung 0,50, 0,45 oder 0,40 mm ø Monofil zum Einsatz. Dann folgt der Abschnitt “Verjüngung I” mit 0,40, 0,35 oder 0,30 mm ø und der Abschnitt “Verjüngung II” mit 0,30, 0,25 oder 0,22 mm ø Monofil. Als Spitze wird 0,25, 0,22, 0,20, 0,18, 0,16 oder sogar 0,12 mm ø gewählt. Selbstverständlich sind die einzelnen Durchmesser aufeinander sinnvoll abzustimmen.

Berechnung der Länge einzelner Segmente des Fliegenvorfaches

Jetzt kommen wir zur Frage der Länge der einzelnen Elemente unseres Fliegenvorfaches für die Trockenfliege. Eine  Antwort gibt die nachfolgende Berechnungsmaske. Die Länge der Spitze ist bereits mit 70 cm vorgegeben, weil das in vielen Fällen der Praxis entspricht. Die Spitzenlänge kann aber in der Maske problemlos angepasst werden. Jetzt bitte einmal die Gesamtlänge des gewünschten Fliegenvorfaches inklusive Vorfachspitze in cm eingeben – und viel Spaß beim Vorfachbinden.

Fly Fishing – Calculation of Leader in cm

Achtung: Das Vorfach beim Nymphenfischen sieht anders aus. Dickes Monofil sinkt schlecht ab, ist unter Wasser immer ein gewisser Widerstand. Die Nymphe soll aber naturgemäß tief angeboten werden. Das Vorfach wird folgerichtig aus recht dünner Schnur aufgebaut. Bei Verwendung einer schweren Nymphe reicht es oft sogar aus, wenn ein dünnes Vorfach in durchgehender Stärke eingesetzt wird.


Nachtrag vom 30.04.2018:

Eine nordamerikanische Homepage  “Fly Fish Arkansas” beschreibt ebenfalls einfach aufgebaute Vorfächer. Sie verwenden dabei die 60-20-20 %-Formel , welche Charles Ritz zugeschrieben wird (60 % der gesamten Länge für die Kraftübertragung, 20 % für die Verjüngung und 20 % für die Spitze). Deren Standardvorfach ist sogar nur aus drei Abschnitten aufgebaut.

Interessant ist der Hinweis, dass der Durchmesser des Kraftübertragungsteiles sich nach dem Durchmesser der Spitze der Fliegenschnur richten solle – 65 % davon. Dann wieder 65 % vom Durchmesser dieses Abschnittes für den folgenden … usw. 

Will ich also auf eine 0,18er Spitze kommen, so müsste die Verjüngung aus 0,40 und 0,28er Monofil aufgebaut sein (Vorfach mit vier Abschnitten). Zur Kraftübertragung wäre eine 0,65er Schnur passend. Das harmoniert dann mit der etwa 1 mm dicken Spitze der Fliegenschnur. Mir persönlich wäre ein 0,65er Beginn etwas zu brachial. Doch das sollte der Angler wohl selbst entscheiden.

 

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